Herzschlagfinale bringt Überraschungserfolg
Auch dieses Jahr sind drei Bitburger nach Bonn zur deutschen Schachamateurmeisterschaft gefahren (19.12. bis 21.12.25). Dieses Turnier ist eines von sieben Qualifikationsturnieren, über die man sich für die Finalrunde qualifizieren kann. Das Besondere an den Turnieren ist vor allem die granulare Einteilung in DWZ-Gruppen. Es gibt insgesamt sieben Gruppen, in denen gespielt wird, sodass jeder auf genau passende Gegnerinnen und Gegner trifft, die weder zu stark noch zu schwach sind. Gespielt wird mit einer Bedenkzeit von 90 Minuten und einem Zuschlag von 15 Minuten nach 40 Zügen – zuzüglich eines Inkrements von 30 Sekunden ab dem ersten Zug.
Von Bitburg waren dieses Jahr Sebastian Lang, Frederik Mies und Florian Kappelmann dabei.
Rückblick Florian Kappelmann, Gruppe B
Florian spielte in der Gruppe B mit einer DWZ/ELO-Spanne von 1900 – 2100. Glücklicherweise hatte Florian mit dem Turnier in Worms (hier unser Nachbericht zum Lesen) die 1900 gerade so überschritten, sodass er für diese Gruppe spielberechtigt war. Im vergangenen Jahr war er noch in der Gruppe C angetreten, da er ganz kurz vor den 1900 gestanden hatte. Entsprechend war die große Mehrheit seiner Gegnerinnen und Gegner auf dem Papier stärker als er, da er an Platz 84 von 107 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gesetzt war.
In der ersten Runde lief die Partie an sich sehr gut, jedoch übersah Florian dann ein taktisches Motiv, wodurch die Partie direkt zugunsten seiner Gegnerin kippte.
In der zweiten Runde kam Florian sehr gut aus der Eröffnung und gewann dabei einen Bauern, den er bis ins Endspiel halten konnte. Jedoch kam er vor dem 40. Zug in Zeitnot, wodurch er diesen Mehrbauern wiederum einstellte und dadurch die Stellung wieder im Gleichgewicht war. Die Partie endete somit aus Florians Sicht leider nur Remis.
Die dritte Runde lief in der Eröffnung auch wiederum sehr gut und Florian kam erneut in Vorteil. Dieses Mal verwertete (wenn auch nicht perfekt) er aber den Vorteil und stand mit 50% nach drei Runden sehr gut dar (ein Sieg, ein Remis, eine Niederlage).
In der vierten Runde war Florian durchgehend unter Druck und stand am Ende mit einem Bauern auch auf Verlust. Der Gegner konnte jedoch das Leichtfigurenendspiel nicht korrekt einschätzen, wodurch Florian zu einem Dauerschach kam, was ihm einen glücklichen halben Punkt einbrachte. Damit war sein Minimalziel für das Turnier erreicht.
Die letzte Runde war somit reiner Bonus. In dieser Partie stand Florian wiederum durchgehend ausgeglichen und zwischenzeitlich auch leicht besser. Der Gegner bot ihm zwischendurch sogar eine Figur als Opfer für einen Angriff an, was Florian aber ablehnte und lieber seine Figuren verbesserte. Diese gewonnene Zeit brachte ihm dann auch einen gewinnbringenden Vorteil ein, welchen er mit zwei Mehrbauern im Turmendspiel mithilfe eines Bauernopfers, um eine theoretische Gewinnstellung zu erreichen, verwerten konnte. Somit hatte Florian wie im Jahr zuvor 3/5 Punkten geholt und war dieses Mal aber hoch zufrieden, da er in jeder Partie der Underdog gewesen war. Am Ende landete er auf Platz 32 von 107.
Rückblick Frederik Mies, Gruppe E
Frederik spielte in der Gruppe E, welche eine DWZ/ELO von 1451 – 1600 erforderte. Frederik war an Platz 67 von 96 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gesetzt. Damit war er in der unteren Hälfte gesetzt und bekam das gesamte Turnier hindurch nur stärkere Gegner ausgelost. Im Jahr zuvor spielte auch Frederik bereits mit, aber damals in der Gruppe F. Dort hatte er einen tollen 8. Platz erreicht, der fast für die Qualifikation für die Endrunde gereicht hätte. Er gewann damals 4 von 5 Partien. Daher ist die nächsthöhere Gruppe jetzt genau richtig.
In der ersten Runde ging es gegen die Nummer 19 der Setzliste. Dabei zeigte Frederik eine tolle Partie mit Schwarz, die er als Underdog gewann! Daraufhin spielte er an Brett 9 gegen die Nummer 29, wo er sich geschlagen gegeben musste. Auch die dritte Runde lief nicht nach Plan und Frederik verlor gegen die Nummer 25. Trotz zweier Niederlagen bekam er dann in der vierten Runde einen noch stärkeren Gegner vorgesetzt, da es für diesen zuvor gar nicht gut gelaufen war. Es war Amil Aliyev von der PST-Trier/Bernkastel. Es war also ein Lokalduell! Es war ein langer Kampf, den Frederik am Ende aber für sich entscheiden konnte, da sein Gegner nicht gut mit der Zeit klarkam. Er besiegte damit die Nummer 13 des Turniers. Zu diesem Zeitpunkt war er den Erwartungen mit 50% der Punkte aber bereits vollkommen gerecht geworden. Die letzte Runde war somit Bonus. Leider verlor er diese Partie gegen eine nochmals besser eingestufte Gegnerin. Jedoch machte Frederik durch seine guten Leistungen gegen die durchweg auf dem Papier stärkeren Gegner einige DWZ-Punkte gut und ist den 1500 DWZ ein gutes Stück nähergekommen. Am Ende landet er auch vor seinem Setzlistenplatz auf Platz 59, was auch zeigt, dass er über seiner aktuellen DWZ gespielt hat.
Rückblick Sebastian Lang, Gruppe F
Sebastian spielte wie letztes Jahr bereits in der Gruppe F, welche eine DWZ-Spanne von 1201 – 1450 DWZ/ELO abdeckte. Dort spielte Sebastian bereits letztes Jahr, aber dieses Mal auch mit einer richtigen Wertungszahl von 1317. Vergangenes Jahr war die DSAM sein erstes richtiges Turnier, was damals schon sehr erfolgreich lief. Dieses Jahr war er mit seiner Zahl an Platz 40 von 93 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gesetzt.
Die erste Runde lief auch nach Plan. Sebastian war Favorit und zeigte eine fehlerfreie Partie. In der zweiten Runde kam es dann direkt zu einem Kracher gegen die Nummer 7 der Setzliste. Die Partie fand sogar an einem der 4 DGT-Bretter statt, sodass die Partie online live verfolgbar war. Die Partie startete gut für Sebastian. Er hatte im Mittelspiel tatsächlich ein paar Chancen durch taktische Kombinationen in Vorteil zu kommen, aber diese waren nicht leicht zu berechnen. Dennoch gewann er einen Bauern und war im Vorteil. Jedoch hielt der Gegner sehr gut dagegen und Sebastian fand keinen Fortschritt mehr, sodass die Partie am Ende Remis endete. Nichtsdestotrotz eine tolle Leistung gegen einen stärkeren Gegner.
In der dritten Partie ging es gegen einen auf dem Papier wieder schwächeren Gegner und die Partie startete auch wieder gut für Sebastian. Ihm gelang aus der Eröffnung heraus eine bessere Stellung, übersah jedoch dann durch andauernde Kopfschmerzen und eine sich anbahnenden Erkältung eine Schlagabfolge, wodurch er eine Figur verlor. Der Gegner ließ den Vorteil auch nicht mehr los, womit Sebastian die Partie verlor.
Durch die gesundheitlichen Probleme, die er bereits während der Partie bemerkte, entschied Sebastian dann nach der dritten Runde heimzufahren, um sich auszukurieren. Am Ende wurde es mit nur drei gespielten Runden Platz 72.
